Dispokredit

Ein Dispo verspricht schnelles Geld

Beinahe jeder erwachsene Deutsche besitzt ein Girokonto. Deren Anzahl hat die Marke von 100 Millionen überschritten, weil auch mehrere Konten für einen Inhaber durchaus möglich und üblich sind. Die meisten dieser Konten sind mit einem Dispositionskredit, dem sogenannten Dispo, ausgestattet. Er ist sehr hilfreich, wenn es gilt, kurzfristige finanzielle Engpässe schnell und unbürokratisch zu überbrücken. Aber der Dispo hat auch seine Tücken, die man kennen sollte, um Risiken und unnötige Zinsausgaben zu vermeiden.

Wie funktioniert ein Dispokredit?

Dispokredit

Der Dispositionskredit ist ein Verfügungsrahmen, den die kontoführende Bank entweder automatisch bei Kontoeröffnung anbietet oder auf Antrag gewährt. In jedem Fall handelt es sich um einen Kreditvertrag, der einvernehmlich geschlossen werden muss. Niemand muss sich einen Dispokredit aufzwingen lassen, den er nicht will. Umgekehrt ist die Bank auch nicht verpflichtet, einen Dispo einzuräumen. Wie jeder Kreditvertrag kann auch der Dispo gekündigt werden. Von dieser Möglichkeit wird die Bank aber nur Gebrauch machen, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kontoinhabers deutlich verschlechtert haben, zum Beispiel wenn kein Geldeingang auf dem Konto mehr feststellbar ist.

Nutzbar wie Guthaben

Der Dispokredit gibt dem Kreditnehmer die Möglichkeit, auf seinem Konto ins Minus zu gehen, also Schulden bei der Bank zu machen. Besonders interessant ist diese Form des Kredits dadurch, dass die Kreditsumme wie Guthaben verwendet werden kann. Man kann Bargeld am Geldautomaten abheben und Überweisungen durchführen. Lastschriften werden eingelöst, obwohl das Konto eigentlich leer ist – das spart teure Rücklastschriften, Mahnkosten und höchst brisante Folgen wie Verlust von Versicherungsschutz oder amtliche Stilllegung eines Fahrzeugs.

Nicht verwechseln mit Überziehung

Wer mehr ausgibt als der Dispo erlaubt, überzieht sein Konto. Viele Banken tolerieren das in gewissem Rahmen, man spricht dann von einer geduldeten Überziehung. Aber Vorsicht, die Überziehung ist noch teurer als der Dispo, und die Bank kann den Überziehungskredit jederzeit streichen, also weitere Zahlungen von dem betroffenen Konto nicht mehr zulassen und den negativen Saldo, der über den Dispo hinausgeht, zurückfordern. Außerdem droht die Kündigung des Kontos, und dann muss auch der Dispo ausgeglichen werden.

Wozu eignen sich Dispokredite?

Nicht jede Eventualität lässt sich im Voraus planen. Der Dispokredit ist eine gute Sache, um bei unangenehmen Überraschungen finanziell gerüstet zu sein. Das gilt übrigens längst nicht nur für Menschen, die knapp bei Kasse sind. Der Dispo fügt sich auch in eine kluge Anlagestrategie sehr gut ein.

Privatpersonen

Eine solide Finanzplanung im Haushalt sollte so aussehen, dass der monatliche Geldeingang die Kosten der Haushaltsführung deckt und möglichst auch ein Überschuss bleibt, der auf die hohe Kante gelegt werden kann. Das gesparte Geld kann in langfristige Anlagen fließen, zum Beispiel für den Aufbau eines Altersvermögens, für größere Konsumausgaben wie neue Möbel oder eine Urlaubsreise zurückgelegt werden, oder aber auch als Notfallreserve für unerwartete Kosten, die nicht von einer Versicherung übernommen werden. Idealerweise werden alle diese Spartöpfe bedient. Klappt das nicht oder ist die eiserne Reserve gerade aufgebraucht, stellt der Disporahmen einen wichtigen zusätzlichen Notgroschen dar. Disposchulden zur Konsumfinanzierung sind dagegen kritisch zu betrachten. Zum ersten sollten Verbraucher genau überlegen, ob die Erfüllung eines Wunschs es wert ist, sich dafür in Schulden zu stürzen. Zum zweiten sollten sie bedenken, dass mit dem Ausschöpfen des Dispokredits seine eigentliche Funktion als letztes Mittel für den Notfall nicht mehr zur Verfügung steht. Geht jetzt das Auto oder ein unverzichtbares Haushaltsgerät kaputt, muss unter Zeitdruck – und damit oft zu teuer – frisches Geld beschafft werden.

Tagesgeld reduzieren

Wer einen ausreichend hohen Dispositionskredit auf dem Girokonto hat, braucht kurzfristig verfügbare Geldanlagen nur noch in geringerem Umfang. Das ist eine wichtige Überlegung, wenn es darum geht, trotz niedriger Zinsen Kapitalerträge zu erwirtschaften, die über der Inflationsrate liegen. Liquidität kostet nämlich Rendite. Angenommen, Sie möchten für finanzielle Unwägbarkeiten eine Reserve von drei Nettogehältern aufbauen. Ihre Bank räumt Ihnen einen Dispokredit von einem Nettogehalt ein. Dann müssen Sie nur noch zwei Gehälter als Tagesgeld anlegen, um Ihr Sparziel zu erreichen. Das dritte Gehalt können Sie zu höheren Zinsen in eine rentablere Anlage investieren. Allerdings rechnet sich dieses Modell nur, wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass Sie mehr als zwei Gehälter im Notfall tatsächlich benötigen. Ansonsten würden die Sollzinsen für den Dispo die zusätzlich Habenzinsen aus der Geldanlage möglicherweise auffressen, zumindest dann, wenn die Dispo-Schulden nicht sehr bald wieder ausgeglichen werden.

Selbstständige und Freiberufler

Im Prinzip gelten für selbstständige Gewerbetreibende und Freiberufler dieselben Funktionen des Dispos wie bei Privatpersonen. Er stellt eine zusätzliche Liquiditätsreserve dar, die bei finanziellen Engpässen unbürokratisch genutzt werden kann. Hinzu kommt, dass die Zahlungseingänge von Unternehmern weit weniger regelmäßig sind als bei Lohn- und Gehaltsempfängern. Oft müssen Kosten wie etwa Materialeinkäufe vorfinanziert werden, der vereinbarte Kaufpreis oder Werklohn fließt aber erst später. Die Zwischenfinanzierung erfolgt auf Geschäftskonten üblicherweise durch einen sogenannten Kontokorrentkredit. Übersetzt bedeutet das etwa Darlehen in laufender Abrechnung, und das funktioniert im Prinzip genau wie der Dispo auf dem privaten Girokonto.

Überbrückung von saisonalen Unregelmäßigkeiten

Die Ertragssituation vieler Unternehmer ist abhängig von der Jahreszeit und/oder dem Wetter. Das betrifft längst nicht nur Landwirte, die Baubranche oder Anbieter touristischer Dienstleistungen. Auch in Handel und Handwerk machen sich Ferienzeiten bemerkbar. Fixe Kosten wie Mieten und Löhne laufen aber Monat für Monat weiter. Der Kontokorrentkredit eignet sich deshalb auch, um die Saure-Gurken-Zeit zu überbrücken und das Konto beispielsweise im Weihnachtsgeschäft wieder aufzufüllen. Besser ist allerdings, für jährlich wiederkehrende und damit voraussehbare Flauten bereits entsprechende Rücklagen zu haben, denn das spart Finanzierungskosten.

Interessant auch im Privatbereich

Saisonale Schwankungen sind aber längst nicht nur ein Thema für Unternehmer und Freiberufler. Privatleute kennen eher die umgekehrte Situation: Die Einkünfte sind relativ gleichmäßig, vielleicht abgesehen von einem Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Dagegen häufen sich in manchen Monaten die Rechnungen. So treffen im Februar, Mai, August und November Grundbesitzabgaben und Rundfunkgebühren zusammen. Viele Versicherungen haben Fälligkeit im Dezember oder Januar. Auch Zeitungsabonnements sind meist einmal im Jahr zu zahlen. Tipp: Nutzen Sie wo immer möglich die Möglichkeit zur jährlichen Zahlweise, denn oft gibt es dafür erhebliche Rabatte, alternativ sparen Sie Zuschläge für Ratenzahlung. Sie können mehrere Verträge gleichmäßig über das Jahr verteilen, damit die Belastung in einem einzelnen Monat nicht zu hoch ist. Und wenn es trotzdem nicht passt, ist eine kurzfristige Inanspruchnahme des Dispokredits durchweg trotzdem billiger als der Verzicht auf den Rabatt für Jahreszahler.

Kurzfristige Inanspruchnahme

Trotz langanhaltender Niedrigzinsphase sinken die Zinsen für Dispokredite nur sehr langsam. Knapp 10 % ist immer noch der Schnitt beim Jahreszins. Das klingt teuer und ist es auch. Aber bei einer kurzfristigen Inanspruchnahme fallen die Kosten dennoch kaum ins Gewicht, vor allem im Verhältnis zu dem Komfortgewinn durch die flexible Nutzung des Verfügungsrahmens. Rechnen wir einmal nach: Wer in der Monatsmitte bemerkt, dass er um 1.000 Euro zu kurz kommt, weil das Auto repariert werden muss oder die Waschmaschine den Geist aufgegeben hat, zahlt für zwei Wochen im Schnitt gerade einmal 4 Euro Zinsen. Bei einer Direktbank mit Online-Konto ist es meist noch weniger. Für kurze Zeiträume ist der Dispo deshalb das Mittel der Wahl. Es hat keinen Sinn, gut verzinstes Guthaben zu kündigen oder gar die Altersvorsorge anzugreifen, nur weil eine außerplanmäßige Ausgabe ansteht. Wichtig ist, dass das Girokonto mit dem nächsten Gehaltseingang wieder im Plus ist und da auch bleibt, denn sonst geht das Spiel im Folgemonat von vorne los.

Langfristige Inanspruchnahme (eher nicht geeignet)

Mehr als die Hälfte der Dispokredite bleiben ungenutzt, so das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter Kontoinhabern. Auf der anderen Seite stehen aber rund 15 % der Kunden, die ihren Dispo jeden Monat in Anspruch nehmen müssen oder deren Konto sogar permanent im Minus ist. Das ist eine alarmierende Zahl, denn dafür ist der Dispo nicht gedacht. Erstens ist er rund doppelt so teuer wie ein gewöhnlicher Ratenkredit bei normaler Bonität des Kreditnehmers, zweitens – und das ist das wichtigere Argument – kann er so seine Funktion im Notfall nicht mehr erfüllen. Von einer häufigen oder sogar dauernden Inanspruchnahme des Dispos ist deshalb dringend abzuraten. Entweder reicht das Monatseinkommen, um etwas mehr Polster auf dem Girokonto zu belassen, oder die Finanzierung sollte über einen billigeren Ratenkredit erfolgen.

Banken müssen warnen

Die Banken sind übrigens verpflichtet, ihre Kunden bei einer langfristigen Inanspruchnahme des Dispokredits zu kontaktieren und über billigere Alternativen zu informieren. Allerdings greift diese Verpflichtung erst ab einer Verschuldung von durchschnittlich 75 % des eingeräumten Kreditrahmens über mindestens sechs Monate. Das ist nach Auffassung vieler Verbraucherschützer deutlich zu spät, zumal die Geldinstitute durch eine üppige Ausgestaltung des Dispos dafür sorgen können, dass die 75 % erst bei hohen absoluten Beträgen erreicht werden. Eigenverantwortung des Kontoinhabers ist also nach wie vor gefragt.

Was Sie über Dispokredite wissen sollten

Für die Banken sind die Dispozinsen eine sehr wichtige Einnahmequelle. Mit 15 % regelmäßigen und weiteren 30 % gelegentlichen Nutzern und einem Minus von mehr als 1.000 Euro im Jahresdurchschnitt kommt man auf die stolze Summe von 30 Milliarden Euro, die Inhaber von Girokonten in Deutschland ihren Banken schulden. Bei knapp 10 % Zinsen bedeutet das Einnahmen von 3 Milliarden Euro im Jahr. Das erklärt auch, warum die Kreditinstitute großes Interesse daran haben, dass die Dispo-Zinsen auf hohem Niveau bleiben. Jeder Prozentpunkt Nachlass entspricht einem Einnahmeausfall von 300 Millionen Euro. Die folgenden Kapitel dienen als Entscheidungshilfe: Ist der Dispokredit für mich geeignet, oder dient er nur der Gewinnmaximierung der Banken?

Hohe Flexibilität

Für den Dispo spricht ganz klar seine unbürokratische Nutzung ohne Unterschied zu vorhandenem Guthaben auf dem Konto. Einmal eingeräumt, ist der zusätzliche Betrag in gleicher Weise verfügbar wie ein Saldo im Haben. Außer dem Kontoinhaber und der Bank erfährt zudem niemand, dass Überweisungen, Lastschrift-Einlösungen oder Barverfügungen am Automaten per Kredit bezahlt wurden. Nicht einmal die allwissende Schufa, der sonst nichts rund um Kredite in Deutschland verborgen bleibt, weiß, ob der Dispo genutzt wird oder nicht. Allerdings registriert die Schufa die Zahl der Girokonten desselben Kontoinhabers. Zwei Konten, zum Beispiel bei einer Filial- und einer Direktbank, sind sicher nicht auffällig. Viele Konten können aber auf eine gewisse Unstetigkeit, häufigen Wohnortwechsel und damit schlechte Erreichbarkeit zum Eintreiben von Schulden hindeuten. Außerdem könnten mehrere Konten auch dazu dienen, das Dispolimit zu erhöhen. Kommt es dann zu Zahlungsschwierigkeiten, sind gleich mehrere Kreditgeber betroffen. Von mehreren Konten nur zur Erhöhung des Dispos ist deshalb abzuraten. Reden Sie lieber mit einer Bank, wenn Sie tatsächlich größere Flexibilität benötigen.

Vergleichsweise hohe Zinsen

Mit knapp 10 % liegen die Zinsen bei mehr als dem Doppelten von dem, was ein gewöhnlicher Ratenkredit für einen Arbeitnehmer mit gesichertem Einkommen etwa kostet. Ob Flexibilität und Kreditkosten ein akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis bilden, muss jeder Nutzer selbst entscheiden. Grundsätzlich gilt: Je länger und intensiver der Dispo in Anspruch genommen wird, umso stärker gewinnen die Argumente gegen den Dispo an Gewicht. Auf keinen Fall sollten Kontoinhaber den Verfügungsrahmen überschreiten und sich in eine geduldete Überziehung begeben. Denn dann wird es nochmals deutlich teurer, in der Regel um mehrere Prozentpunkte. Pauschale Mindestgebühren sind dagegen nicht zulässig. Das hat der Bundesgerichtshof 2016 entschieden. Die Statistik sagt, dass 96 % der Dispo-Kunden innerhalb des eingeräumten Limits bleiben. Nur vier von Hundert stürzen sich tiefer in die Schulden. Sorgen Sie dafür, dass Sie zu der vernünftigen großen Mehrheit gehören.

Leitzins ist keine Obergrenze

Seit 2010 müssen Dispozinsen über eine sogenannte Zinsanpassungsklausel an einen Referenzzins gekoppelt sein. Meist ist das der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Bank ist aber nicht an den Referenzzins gebunden, rechtliche Grenze der Zinshöhe ist lediglich der Tatbestand des Wuchers. Der setzt aber das Ausnutzen einer Notlage voraus und ist deshalb kaum zu beweisen.

Änderungen auf dem Kontoauszug

Über Änderungen des Dispozinses muss die Bank ihre Kunden rechtzeitig vorher informieren. Das geschieht normalerweise durch einen Hinweis auf dem Kontoauszug. Dieser Hinweis muss deutlich und transparent sein. Allgemeine Hinweise wie Referenzzins plus 8 % werden von der Rechtsprechung als nicht ausreichend angesehen. Trotz der Koppelung gelingt es den Kreditinstituten, den Dispozins auf einem hohen Niveau zu erhalten. Dazu werden negative Referenzzinsen wie 0 % behandelt, oder die Anpassungsklausel wird einfach geändert – zum Beispiel von Leitzins +8 % auf +10 %. Wer solche Spielchen nicht mitmachen will, sollte aufmerksam die Kontoauszüge und Mitteilungen der Bank lesen und notfalls den Anbieter wechseln.

Zinseszins beachten

Die Zinsen für die Inanspruchnahme des Dispokredits werden dem Girokonto belastet. Der Abrechnungsturnus ist unterschiedlich, zum Beispiel monatlich oder quartalsweise. Da die Zinsen das Konto ohne entsprechenden Geldeingang weiter ins Minus treiben, sind auch hierfür Zinsen zu zahlen, die Zinseszinsen. Das führt dazu, dass ein Konto, das ein ganzes Jahr lang permanent mit 1.000 Euro im Minus ist, bei 10 % Zinsen nicht nur 100 Euro Zinsaufwand verursacht, sondern etwas mehr. Wie viel genau, hängt wie gesagt von der Abrechnungsperiode ab. Anfangs ist es nicht viel, aber Zinseszinsen können sich im Laufe der Zeit zu erheblichen Belastungen addieren. Bei monatlicher Belastung sind bereits nach einem Jahr knapp 5 Euro Zinseszinsen angefallen.

Monatliche Mindestrückzahlung

Der Dispokredit ist ein laufender Kredit. Eine monatliche Mindestrate zur Tilgung der Schulden ist nicht vorgesehen. Mindestrückzahlungen kennt man eher von Kreditkarten, sogenannten Revolving Karten, wenn der aufgelaufene Saldo zum Abrechnungsstichtag nicht in einer Summe abgebucht werden soll. Auch Abruf- oder Rahmenkredite sehen häufig regelmäßige Tilgungen vor.

Freiheit verantwortungsvoll nutzen

Der Verzicht der Banken auf eine Mindesttilgung ist Segen und Fluch zugleich. Einerseits lässt der Kreditrahmen die Freiheit, auch einmal zwei Monate oder mehr im Minus zu sein, wenn der Ausgleich des Kontos erst aus einer erwarteten Sonderzahlung erfolgen kann. Andererseits verleitet der Dispo dazu, ihn immer wieder zu nutzen. Wenn er in einem Monat geholfen hat, warum dann nicht auch im nächsten Monat? Nur: Die Schulden verschwinden nicht von selbst. Passen Einnahmen und Ausgaben im Haushalt nicht zusammen, ist der Dispo die denkbar schlechteste Lösung. Vielmehr muss die Ursache des ständigen Minus abgestellt werden.

Unabhängig vom Verwendungszweck

Die Bank erfährt nicht, wofür Sie Ihren Dispo nutzen. Dem Kreditgeber muss es gleichgültig sein, ob sie das Geld ins Spielcasino bringen, davon in Urlaub fahren, spekulative Wertpapiere kaufen, das für den Weg zur Arbeit dringend benötigte Auto reparieren oder Wertverbesserungen an einer Immobilie finanzieren. Auch diese Freiheit hat zwei Seiten. Einerseits muss der Kreditnehmer keine umfassende Bonitätsprüfung über sich ergehen lassen und keinen Verwendungsnachweis für das Geld abliefern. Es gibt auch keinen Schufa-Eintrag und keine Anfrage dort. Andererseits würden genau diese Informationen zu einem deutlich geringeren Zins führen. Der Dispozins ist ja gerade auch deshalb so hoch, weil die Bank nicht weiß, ob der Geldausgabe irgendwelche Sachwerte als Sicherheiten gegenüberstehen. Wenn Sie also einen konkreten Verwendungszweck für den Kredit im Sinn haben, reden Sie mit Ihrer Bank darüber. Vielleicht resultiert daraus ein gutes Angebot. Falls nicht, steht der Dispo immer noch zur Verfügung.

Pfandrecht vereinbart

Ganz ohne Sicherheiten steht die Bank aber auch beim Dispokredit nicht da. Haben Sie noch andere Konten beim selben Institut? In den Geschäftsbedingungen sichert sich die Bank üblicherweise ein Pfandrecht. Sie darf also zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto oder ein Wertpapierdepot zurückgreifen, wenn Schulden aus einer nicht geduldeten Überziehung oder einem gekündigten Dispo nicht zurückgezahlt werden.

Wovon hängt die Höhe der Kreditlinie ab?

Juristisch betrachtet ist der Dispokredit ein Verbraucherdarlehen. Dafür gelten besondere gesetzliche Vorschriften. Grundsätzlich liegt ein Kreditvertrag vor, über den beide Parteien – Kreditgeber, die Bank und Kreditnehmer, der Kunde – einig sein müssen, damit er zustande kommt. In welchem Umfang eine Bank Kredite gewährt, hängt natürlich von ihrer Geschäftspolitik ab. In dem so gesteckten Rahmen wird sie die Bonität des potenziellen Kunden prüfen, also Höhe und Regelmäßigkeit des Geldeingangs, laufende Verpflichtungen wie Mieten oder Raten bereits bestehender Kredite, eventuelle Negativmerkmale, die bei der Schufa gespeichert sind, und natürlich die eigenen Erfahrungen mit diesem Kunden, zum Beispiel der sonstige Umfang der Geschäftsverbindung und damit verbundene Möglichkeiten der Pfändung. Arbeitnehmer mit unbefristetem Arbeitsvertrag haben es relativ leicht, einen hohen Verfügungsrahmen zu erhalten. Ein bis drei Nettogehälter sind durchaus üblich. Das Gehalt muss bei manchen Banken nicht einmal zwingend auf demselben Konto eingehen. Bei Selbstständigen und Freiberuflern sind eventuell betriebliche Kennzahlen zu prüfen, vor allem, wenn der Betrieb noch nicht lange besteht oder die Geldeingänge sehr unregelmäßig sind. Auch Auszubildende und Studenten werden – wenn überhaupt – nur mit kleinen Krediten bedient, weil ihr geringes Einkommen keine Sicherheit bietet. Selbst Rentner sind keine begehrte Zielgruppe der Banken. Zwar ist ihr Einkommen weder durch Krankheit noch durch Arbeitslosigkeit bedroht. Es scheitert aber entweder an der Rentenhöhe oder schlichtweg am Lebensalter. Bei Tod des Kontoinhabers ist eine Kredittilgung durch die Erben keineswegs gesichert, denn sie könnten ein überschuldetes Erbe ausschlagen.

Alternativen zum Dispokredit

Fast so flexibel wie der Dispo, aber zinsfrei – gibt es das? Echte Kreditkarten bieten genau diese Möglichkeit. Sie können für Zahlungen im Internet oder vor Ort verwendet werden, aber auch zum Abheben von Bargeld am Geldautomaten. Wird der Saldo zum Abrechnungsstichtag beglichen, fallen keine Zinsen an, sie sind mit den normalen Jahresgebühren der Kreditkarte abgegolten. So verschafft sich der Karteninhaber finanziellen Spielraum bis zur Höhe des Kartenlimits. Aufpassen muss man nur bei Barverfügungen, denn die sind je nach Karte sehr teuer, sogar für eine einmalige Abhebung oft teurer als die Monatszinsen für den Dispo. Manche Karten von Direktbanken erlauben aber die kostenfreie Nutzung von Geldautomaten, andere Karten sind im Ausland gebührenfrei einsetzbar – eine gute Option für Bewohner der Grenzregionen. Der Gratis-Kredit funktioniert natürlich nur, wenn es sich nicht um Guthaben-Karten handelt und die Kartenschulden auf einmal bezahlt werden. Die Zahlung in mehreren Raten kostet Zinsen und Gebühren auf etwa gleichem Niveau wie der Dispo.

Rücklagen bilden

Der beste Kredit ist der, den man gar nicht braucht. Wer für Notfälle ein ausreichendes Sparpolster hat, kann auf den Dispo ebenso verzichten wie auf Sofortkredite und dergleichen, die im Internet nicht immer seriös beworben werden. Legen Sie das Guthaben als Tagesgeld an. Das ist ohne Risiko dank Einlagensicherung der Banken, und es gibt sogar ein wenig Zinsen dafür. Der größte Zinsgewinn ist, dass der Dispo nicht benötigt wird.

Weitere passende Kreditformen

Wer wegen schwankender Einnahmen oder Ausgaben regelmäßig ins Minus gerät, ist mit einem Abrufkredit oder Rahmenkredit gut bedient. Er funktioniert ähnlich wie der Dispo, wird aber zuvor beantragt. Da die Bank Gelegenheit zu einer Bonitätsprüfung hat, sind die Zinsen in der Regel deutlich niedriger als für den Dispo, den die Bank kaum kontrollieren kann. Stehen größere Zahlungen an oder sollen alte Kredite umgeschuldet werden, sind für Privatleute der Ratenkredit und für Unternehmen der Betriebsmittelkredit die geeigneten Instrumente. Durch die Wahl einer längeren Laufzeit lässt sich die monatliche Rate so absenken, dass sie zum Budget passt und keine neuen Engpässe erzeugt.

Fazit

Der Dispo ist eine bequeme und flexible, zugleich aber teure Möglichkeit der Kreditaufnahme. Er eignet sich als kurzfristige Liquiditätsreserve und kann sinnvoll eingesetzt werden, um Vermögenswerte in langfristige und damit rentablere Anlagen zu lenken. Am besten ist es, den Dispo zu haben, ihn aber nicht oder nur ganz gelegentlich in Notfällen zu nutzen. Konsumfinanzierung, regelmäßige oder dauerhafte Inanspruchnahme sind tabu. Das ist viel zu teuer und auch risikoreich, weil dann eine Notfallreserve fehlt und das Risiko einer Überschuldung besteht. Wer länger als drei Monate pro Jahr den Dispokredit in Anspruch nimmt, sollte dringend über eine der vorgestellten Alternativen nachdenken, gern auch mit Unterstützung durch eine Schuldnerberatung.

Auf den Dispo verzichten

Zum Schluss noch ein Tipp für Menschen, die mit der Freiheit des Dispos nicht umgehen können und nicht in Versuchung geraten möchten: Erklären Sie Ihrer Bank gegenüber den Verzicht auf einen Verfügungsrahmen oder reduzieren Sie ihn auf ein Minimum von zum Beispiel 300 Euro, das Ihnen im Notfall hilft, Sie aber nicht in Schwierigkeiten bringen kann. Während eine Erhöhung des Dispolimits allein im Ermessen der Bank steht, darf sie Ihren Wunsch nach Reduzierung nicht ablehnen.